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FIDELITY zu Gast bei … PS Audio, Boulder, Colorado

Firmenporträt PS Audio in Boulder, Colorado – A long and winding road

PS Audio, eine typisch amerikanische Erfolgsgeschichte

Fotografie: Ingo Schulz

In die USA fliegt man nicht mal eben so. Und gerne werden deshalb, wenn man schon mal drüben ist, mehrere Termine kombiniert. In diesem Jahr ermöglichte uns der Besuch des Rocky Mountain Audio Fests auch einen willkommenen Abstecher zur längst legendären Verstärker-Schmiede PS Audio in Boulder, Colorado. Firmenboss Paul McGowan begrüßt das FIDELITY-Team persönlich auf der Riesenbaustelle, die bald PS Audios neue Firmenzentrale werden soll. Die Produktion läuft schon wieder, das für diese High-End-Manufaktur unerlässliche Teilelager ist wohlsortiert wieder eingeräumt, in anderen Ecken der erst vor kurzem umgezogenen Firma wird aber noch fleißig geschraubt, gehämmert und gesägt. Auf der To-do-Liste steht unter anderem ein großes Aufnahme- und Produktionsstudio im ersten Stock des beeindruckenden Firmengebäudes – ein „Ausstattungsdetail“, das sich leicht aus der Biografie von Paul McGowan herleiten lässt.

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Als Soldat der US-Armee kam er in den frühen 1970er Jahren nach Deutschland und war von 1971 bis 1973 in München, Stuttgart, Bremen und Frankfurt stationiert. Fragt man ihn heute nach dieser Zeit, dann gibt er mit einem feinen Augenzwinkern zu, „kein guter Soldat“ gewesen zu sein. Statt für militärischen Drill interessierte sich der junge Paul McGowan nämlich eher für fetzige Musik und arbeitete als DJ beim Army-Rundfunk in Deutschland. Seine langen Haare waren beim US-Militär natürlich streng verboten, Paul McGowan umging diese eiserne Regel aber mit einer Kurzhaar-Perücke, unter der er seine Mähne verbarg.

Paul McGowan von PS Audio

In München, das in jenen Jahren als Deutschlands heimliche Musik-Hochburg gelten konnte – hier trieben sich unter anderem Queen, David Bowie und Mitglieder der bereits aufgelösten Beatles herum –, traf Paul McGowan den Südtiroler Musikproduzenten und Pop-Titanen seiner Zeit, Giorgio Moroder. Mit und für den Grödner produzierte McGowan im bis heute bekannten Arabellapark-Studio viele große Stars der Popszene. Das bestens harmonierende Zweigespann gründete eine gemeinsame Produktionsfirma und mietete sogar eine Villa im Nobelviertel Grünwald, wo ein hochmodernes Aufnahmestudio entstehen sollte. In McGowans Büro künden noch heute kostbare Masterband-Kopien, beispielsweise von Elton Johns „Rocket Man“, von jener prägenden Phase in McGowans Leben. Die Blase platzte, als McGowan ein paar Dummheiten anstellte, die sich aus Sicht der Army nicht so recht mit seinem Soldatendasein vertrugen. Die Sache mit der Perücke brachte das Fass schließlich zum Überlaufen: Paul McGowan wurde unehrenhaft entlassen und musste binnen 48 Stunden Deutschland den Rücken kehren. Ein geplantes Projekt mit Giorgio Moroder war Makulatur, zurück in Kalifornien fing Paul McGowan als DJ einer Rock’n’Roll-Radiostation praktisch wieder bei null an.

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Als Musikproduzent hatte der Mann mit dem feinen Gehör gelernt, dass hochwertige Musikaufnahme und -wiedergabe ganz viel mit den dazu verwendeten Geräten zu tun hat. Und weil die Schallplattenwiedergabe in besagtem Rockradio alles andere als optimal war, entwickelte Paul McGowan für den kleinen Sender, der sich keine teure Ausrüstung leisten konnte, einen Phonovorverstärker. Der toppte klanglich so ziemlich alles, was man damals im Laden kaufen konnte – und wurde sofort eingesetzt.

In dieser Zeit des Umbruchs traf Paul McGowan den bekennenden Audiophilen Stan Warren, der sich sein Geld mit der Installation von Wasserbetten verdiente. Warren hörte McGowans Phonovorverstärker gegen sein eigenes Dynaco-Equipment – und beschloss, seinen Van zu verkaufen und den Erlös von 500 Dollar in eine neu zu gründende Firma mit Paul McGowan zu investieren.

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Der Rest ist Geschichte: Das „PS“ von PS Audio steht für „Paul und Stan“, zum Start im Jahr 1974 wurden zehn Phonovorverstärker aufgelegt, die auf einem OP-Amp 709 und einer passiven Entzerrung basierten. Dass die Ausgangsstufe des 709ers im Class-B-Betrieb lief, sorgte jedoch für unerwünschte Rauigkeiten im Klang. Die Ausgangsstufe wurde bei jedem Nulldurchgang des Signals kurzzeitig stromlos, was unleidliche Verzerrungen produzierte. Um den 709 „zum Singen zu bringen“, bediente sich Paul McGowan eines technischen Tricks: Er versorgte den OP-Amp nicht symmetrisch, sondern unsymmetrisch mit Spannung. So hatte die Ausgangsstufe keinen Nulldurchgang mehr, das Gleichspannungspotenzial wurde per Kondensator ausgekoppelt. Das Ergebnis: ein kleiner, einfach aufgebauter Verstärker für die fragilen Signale des Tonabnehmers, der es locker mit den „großen Namen“ der damals gerade entstehenden High-End-Szene in den USA aufnehmen konnte. Zur Erinnerung: In jenen Jahren entstanden aus ähnlichen Anfängen heraus auch Verstärkerschmieden wie Mark Levinson oder Pass Labs, die ebenso wie PS Audio bis heute zu den Ikonen des Verstärkerbaus zählen.

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Die Anfänge für Paul McGowan und Stan Warren gestalteten sich gleichwohl sehr zäh: Die HiFi-Händler in der Nachbarschaft mochten den Phono-Pre nicht in die Auslage stellen. „You are a nobody“, bekamen die beiden Jungunternehmer mehr als einmal zu hören. Aufgeben kam für sie aber nicht in Frage, stattdessen suchten sie ihr Heil im Direktvertrieb. Also wurden in den damaligen Audio-Magazinen Anzeigen auf Kredit geschaltet, und schon bald fanden die ersten PS-Audio-Phonovorverstärker für 59,95 US-Dollar plus Versand den Weg zum Endkunden. Als erste amerikanische Audio-Firma gab PS Audio eine „money back“-Garantie bei Nichtgefallen. „Kein einziges Gerät kam zurück“, erinnert sich Paul McGowan mit breitem Grinsen.

Aus Zehner-Chargen wurden schnell Hunderter-Auflagen. In nur zwei Jahren baute das highendige Startup-Unternehmen 3000 Geräte. Nachdem knapp 60 Dollar pro Verstärker nicht annähernd die Kosten deckten, wurde der Preis kurzerhand auf 120 Dollar verdoppelt, was dem Run auf PS-Audio-Produkte keinen Abbruch tat.

Auf den Phonovorverstärker folgte mit dem Linear One ein Hochpegel-Vorverstärker, dem PS Audio schnell die passende 70-Watt-Endstufe namens The Model One folgen ließen. Im PS4 teilten sich dann Phonostufe und Vorverstärker ein Gehäuse – das Portfolio wuchs organisch. Wer sich heute einen Eindruck vom einstigen Geräteprogramm verschaffen will, findet in Boulder fein säuberlich in Regalen aufgereiht eine praktisch lückenlose Sammlung der PS-Audio-Produkte.

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Nur in die Gefilde der schwarzen Zahlen schien sich PS Audio nicht steuern zu lassen. Der Schuldenberg wuchs, irgendwann konnten die Gehälter nicht mehr gezahlt werden. In dieser Phase trennte sich Stan Warren 1981 von seinem Geschäftspartner und gründete seine eigene Firma Superphon.

Ab diesem Zeitpunkt lenkten Paul McGowan und seine Ehefrau Terry die Geschicke der Firma PS Audio mit ihren rund 20 Angestellten. Als neuer Miteigentümer stieg Dr. Bob Odell ein, der aus dem Harman-Kardon-Dunstkreis kam. Es gelang, PS Audio auf niedrigem Niveau zu stabilisieren, die wirtschaftliche Lage blieb aber zunächst „ziemlich wackelig“, wie es Paul McGowan mit fast 40 Jahren Abstand heute formuliert. 1989 war eines der Standbeine die Produktion von Frequenzweichen für den Lautsprecherhersteller Infinity. Durch dessen charismatischen Chefentwickler Arnie Nudell lernte Paul McGowan den Gründer und Herausgeber der führenden High-End-Fachzeitschrift The Absolute Sound, Harry Pearson, kennen. Der HiFi-Journalist war es auch, der McGowan anrief, als Arnie Nudell, Schöpfer von legendären Schallwandlern wie der Infinity Kappa 9, Infinity hinter sich ließ. Nudells ungebremster Tatendrang führte 1990 zur Gründung der Firma Genesis Technology. Paul McGowan war dabei und ließ PS Audio für sieben lange Jahre hinter sich.

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Als sich die Wege von McGowan und Nudell 1997 wieder trennten, war PS Audio völlig heruntergewirtschaftet. Paul McGowan kaufte seine verschuldete Ex-Firma für einen symbolischen Dollar zurück und wagte den Neuanfang unter stark veränderten Vorzeichen. Statt auf Verstärker konzentrierte man sich bei PS Audio nun auf Stromversorgungskomponenten. In Vail, Colorado, entstanden Ende der 1990er Jahre sogenannte „power regeneratos“, etwa die Modelle P300, P600, P1000 und der gewaltige P1200, die bei vielen Musikfans noch heute im Einsatz sind. Wenig später zog PS Audio nach Boulder um.

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Der aktuelle Umzug in das nagelneue Firmengebäude wurde im September 2018 vollzogen. Inzwischen finden sich im Programm auch wieder klassische Audiokomponenten, die etwa 70 Prozent des Portfolios ausmachen, während die restlichen 30 Prozent auf die ebenfalls stabil nachgefragten Power Conditioner und ähnliche Geräte entfallen, mit denen man für saubere Stromzufuhr sorgen kann.

Ende 2012 war Paul McGowan noch mehrgleisig unterwegs, war Manager und Entwickler seiner Firma – eine kräftezehrende Mehrfachbelastung, von der ihn sein Sohn Paul abbrachte. Spezialisierte Experten hielten Einzug bei PS Audio, was weder der Gerätequalität noch den Umsätzen geschadet hat, wie Paul McGowan selbst bestätigt. Ist PS Audio doch heute ein kerngesundes Unternehmen mit besten Wachstumsaussichten, das sich ganz behutsam in Richtung Vollsortimenter bewegt. Zeitgemäße Geräte wie HiRes-Streamer belegen, dass die Firma längst im Hier und Heute angekommen ist.

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Als eher zeituntypisch darf dagegen gelten, wie groß in Boulder Service und Beratung geschrieben werden. Paul McGowan erzählt gerne die Geschichte eines Kunden, der mit seiner Endstufe von PS Audio nicht recht glücklich wurde: Immer wieder sprang schon bei moderaten Lautstärken die Sicherung an, der Verstärker schaltete sich ab. Reparaturversuche fruchteten nicht, denn es ließen sich keine Fehler finden. Licht ins Dunkel brachte die Frage nach den verwendeten Lautsprechern: Die Elektrostaten der Firma Acoustat bestechen zwar durch feinen Klang und hübsches Aussehen, verfügen aber über ein ziemlich fieses Lastverhalten mit abartig niedrigen Impedanzen. Paul McGowan kaufte kurzerhand ein Pärchen jener Elektrostaten und modifizierte das Ansprechverhalten der Sicherung – Problem gelöst.

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So etwas kann freilich nur funktionieren, wenn man im eigenen Haus entwickelt und fertigt. PS-Audio-Komponenten sind bis heute „Made in USA“, genauer: „Made in Boulder, Colorado“. Bei der klanglichen Feinabstimmung ist Paul McGowan seinem 2017 verstorbenen Freund und Mentor Arnie Nudell treu geblieben und setzt dessen riesige Infinty Reference Standard 5 ein, ein 1985 herausgebrachtes Mehrwege-System mit gewaltigem Platzbedarf und ebensolchem Klangvolumen. „Dieses gigantische System legt feinste Details eines Verstärkers offen, als würde man unter einer Lupe hören“, sagt Paul McGowan. Hier lassen sich sogar Röhren- und Transistorverstärker im Blindtest problemlos unterscheiden. Und so ist auch nicht verwunderlich, dass es bald einen Röhren-Phonovorverstärker von PS Audio geben wird, entworfen von Phono-Guru Bascom H. King.

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Auch in das bereits erwähnte Tonstudio soll eine lebende Legende einziehen: Gus Skinas, der schon Stars wie Madonna, Bruce Springsteen, Billy Cobham oder Peter Gabriel produziert hat. Paul McGowan plant eine enge Kooperation und gemeinsame Veröffentlichungen, die ganz gewiss höchsten audiophilen Standards genügen werden.

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Dass sie rocken, kann man angesichts von Paul McGowans Lebenslauf auch erwarten, den der Meister inzwischen übrigens selbst zu Papier gebracht hat. Sofern die Druckereien trotz Weihnachtsstress so funktionieren, wie sie sollen, liegt gleichzeitig zum Erscheinen von FIDELITY Nr. 41 auch Paul McGowans Autobiografie 99% True in den Buchläden. Eine augenzwinkernd geschriebenes Buch, das zum Schmökern und Schmunzeln einlädt.

PS Audio: 99% True by Paul McGowan

 

www.psaudio.com

www.hifi2die4.de

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FIDELITY zu Gast bei … Audio Note UK

Audio Note, Dämpfung ist alles oder: Wie klingt eigentlich Wachs?

Zu Besuch bei Audio Note UK in Partridge Green, Brighton

Fotografie: Ingo Schulz, Hans von Draminski

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Der Frühflug ist pünktlich. England begrüßt das FIDELITY-Team mit untypisch strahlendem Sonnenschein. Sonnig ist auch das Lächeln von Audio-Note-UK-Boss Peter Qvortrup, der Herrn Schulz und mich mit einer Mercedes-S-Klasse in London-Gatwick abholt, die hierzulande längst ihren Gnadensprit samt H-Kennzeichen verdient hätte. Bei Audio Note UK fungiert so ein Gefährt als steuergünstiger Dienstwagen. Und das ist beileibe nicht das einzige Detail, das bei der High-End-Manufaktur in West Sussex anders als bei vielen Mitbewerbern gelöst wird.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Von außen wirkt das nach Jahren der Aufsplitterung in dezentrale Standorte vor nicht allzu langer Zeit bezogene Firmengebäude in Partridge Green nahe des Seebades Brighton, nicht einmal eine Autostunde von der Metropole London entfernt, erstaunlich unspektakulär: ein vergleichsweise niedriges Backsteinensemble in einem kleinen Industriegebiet, mit bescheidenem Firmenemblem an der Eingangstüre. Nur die rund um den Firmensitz parkenden Mercedes-Youngtimer, mit denen Audio Note die Mobilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherstellt, deuten an, dass hier einer der britischen Platzhirsche in Sachen hochwertige Musikwiedergabe residiert. Ein durchaus innovatives Unternehmen, bei dem nicht nur der Chef tagtäglich die hohe Kunst des kreativen Querdenkens zelebriert.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Peter Qvortrup ist eigentlich Däne, lebt aber seit Jahrzehnten auf der Insel – und bleibt angesichts des bald bevorstehenden Auszugs des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union betont gelassen. Dass Qvortrup dennoch laut darüber nachdenkt, Teile der Produktion in EU-Länder zu verlagern – bis dato werden die meisten Komponenten der Audio-Note-Produkte am britischen Firmensitz selbst gefertigt, nur ganz wenig muss zugekauft werden –, verrät den Pragmatiker, der mit seiner Firma schon manchen Sturm überstanden hat.  Dass Qvortrup wirtschaftswissenschaftliche Werke liest wie andere Leute die Tageszeitung, ist greifbares Indiz für eine Unternehmerpersönlichkeit, bei der Instinkt und Cleverness mit fundiertem Wissen Hand in Hand gehen.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Dazu kommt eine klare Linie beim Produktportfolio: Audio Note UK setzt konsequent auf Röhrentechnik, die nicht nur in den Verstärkern, sondern unter anderem auch in den Ausgangsstufen der CD-Player und in den Phono-Übertragern zum Einsatz kommt. Warum es besser klingt als bei den zuhauf auf den Markt geworfenen chinesischen Billig-Röhrengeräten, die man für ein paar Euro bei den einschlägigen Internet-Portalen kaufen kann? Peter Qvortrup lächelt, während er in ein Curryhuhn-Sandwich beißt – und lädt statt einer einfachen Antwort zu einem Rundgang durch die im Vergleich zum vorherigen dezentralen Domizil signifikant auf das etwa Dreifache gewachsenen Firma ein. Die Besichtigungstour wird zur virtuellen Achterbahnfahrt ins komplexe Audio-Universum des Peter Q., in dem durchweg erstaunliche Fertigungstechniken Anwendung finden und das von ein paar sehr bemerkenswerten Wesen mit immensem Fachwissen bevölkert wird.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Zur Einstimmung legt der charismatische Audio-Note-Lenker Qvortrup ein paar Röhren auf den Tisch des Besprechungsraumes. Die Sammlung ist riesig. Wie riesig, erfährt das FIDELITY-Team erst nach und nach. Was da auf dem Tisch liegt, ist jedenfalls „New Old Stock“ vom Feinsten. So mancher Sammler und Röhren-Fan bekäme beim Anblick der wie neu wirkenden Trioden aus den 1920er Jahren wohl feuchte Hände und feuchte Augen. Für Qvortrup, seine Ingenieure und Techniker sind die zum Teil fast hundert Jahre alten Preziosen dagegen Analyseobjekte: Was war damals schon sehr gut? Und was lässt sich beispielsweise durch die gezielte Verwendung moderner Materialien und Fertigungsmethoden so verbessern, dass der Klang davon hörbar profitiert? Das seltene Metall Tantal spielt laut Qvortrup eine wichtige Rolle, denn es ist ein signifikanter Bestandteil der bei Audio Note entwickelten und hergestellten Bauteile. Peter Qvortrup erklärt, dass er viel Geld ausgeben musste, um verschiedene „Rezepte“ für den Bau von Tantal-Widerständen zu entwickeln. Bei deren Qualität will der Vollsortimenter nicht von Zulieferern abhängig sein. Vom Tantal verspricht sich das Team nach umfangreichen Versuchsreihen einen „volleren, dichteren Klang“. „Nur in der Theorie klingen Widerstände gleich“, betont Qvortrup und fügt hinzu: „Den Unterschied kann man nicht messen, aber leicht hören.“

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Der Eindruck, dass in dieser Ideenschmiede anders gearbeitet wird, dass so mancher gängige Ansatz in Sachen Entwicklung, Produktion und Marketing hinterfragt und dann auch gerne konsequent verworfen wurde und wird, setzt sich beim Spaziergang durch das verblüffend weitläufige Firmengebäude fort. Fließbänder sucht man hier zwar vergebens, weil sie bei den in West Sussex produzierten Stückzahlen auch nicht viel Sinn hätten. Dafür stößt man permanent auf Indizien für eine immense Fertigungstiefe. Da stehen etwa halbfertige Transformatoren neben einer sehr hochwertigen (und entsprechend kostspieligen) Wickelmaschine für Trafospulen Spalier, die in höchster Präzision Drahtlage neben Drahtlage platziert.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

In einem anderen Raum stapeln sich Platinen aus verschiedenen Materialien, sogar aus dem in der Audioszene wohlbekannten Panzerholz, das hier freilich anders genannt wird und auch etwas anders zusammengesetzt ist. Manchmal bezeichnet Peter Qvortrup die Konkurrenz im Audiosektor nur halb im Scherz als „Spielzeugfirmen“. Weil sie „viel reden und wenig machen“ und weil sie bisweilen nur schicke Gehäuse um ein Konglomerat von zugekauften Einzelteilen schneidern und das aus Qvortrups Sicht bestenfalls durchschnittliche Ergebnis dann als bahnbrechende Eigenkonstruktion anpreisen.

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Bei Audio Note UK tragen auch unter dem Deckel fast alle Bauteile das schlichte „AN“-Logo – und das FIDELITY-Team kann dabei zuschauen, wie sie aus dem entsprechenden Rohmaterial gefertigt werden. Im Zentrum steht dabei immer der Klang. So zeigt der Technische Manager Darko Greguras beispielsweise eine Auswahl von Platinen mit unterschiedlichem Trägermaterial  und verschiedenen Schaltungslayouts: „Von den Messwerten her sind die alle gleich, der Klang ist aber grundverschieden“, doziert Greguras lächelnd und deutet an, dass das Schwingungsverhalten des Platinengrundstoffes direkten Einfluss auf die klanglichen Eigenschaften nimmt. So nebenbei: Einen Störabstand von bis zu 140 Dezibel kann man in Partridge Green noch messen (!) – da haben anderswo die Analysegeräte längst kapituliert.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Bei Audio Note UK sei es üblich, eine Neukonstruktion „mit einem weißen Blatt Papier“ zu starten und zunächst über die möglichen Konfigurationen einer Schaltung nachzudenken, noch ehe der Lötkolben angeheizt werde. „Die anderen schauen ins Schaltplan-Buch und greifen am Schluss zu einem lasergetrimmten Modul von der Stange, um möglichst große Stückzahlen zu verkaufen“, sagt Qvortrup. Ein Ansatz, der sich mit dem selbst gestellten Qualitätsanspruch bei Audio Note UK nicht vertragen würde. „Wir sind eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung, die auch Endprodukte verkauft“, umreißt Qvortrup selbstbewusst sein unternehmerisches Credo.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass jedes Bauteil, jede Schaltung, jedes Layout permanent auf dem Prüfstand steht, ob sich nicht etwas verbessern lässt, ob eine Veränderung an entscheidender Stelle nicht positive Auswirkungen auf das Klangerlebnis hat. So ziehen sich etwa durch die groß dimensionierten Stromversorgungseinheiten ausnahmslos Silberkabel möglichst hohen Reinheitsgrades, weil diese, simpel formuliert, dem Stromfluss weniger Widerstand entgegensetzen. Service-Ingenieure wie James Healey prüfen die Endergebnisse nicht einmal, sondern vielfach – und treten bei ernsthaften Problemen, selbst wenn diese sich zunächst nur zart andeuten, sofort auf die Bremse. Soll der Endkunde doch etwas bekommen, das das Prädikat „perfekt“ verdient – von der kleinen Zero-Einsteigerkombi bis zum titanischen Ongaku-Vollverstärker, der inzwischen fast nur noch den Namen mit dem usprünglichen Modell gemeinsam hat. Jahrzehntelange Optimierungsarbeit hat hier deutliche Spuren hinterlassen, hat der Röhrenschaltung unter anderem das Kupfer aus- und Silber hineingetrieben.

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Zur Erinnerung: Die Anoden des Ongaku werden von einer Spannungsverdoppler-Schaltung versorgt. Eine typisch englische Zweifachtriode vom Typ CV4068 ist über einen Audio-Note-Koppelkondensator mit einer Doppeltriode 6463 verbunden. Die Verbindung von Treiberstufe und Endröhre geschieht per Zwischenübertrager‚ die Treiberstufe arbeitet auf die Primärwicklung des Zwischenübertragers – ein Einfall von Andy Grove, durch den der Audio-Note-Entwicklungschef eine hohe Bandbreite erreicht. Dieser Übertrager braucht auf der Sekundärseite keinen Widerstand‚ sondern arbeitet auf die quasi unendliche Impedanz des Gitters der Endröhre. Auf die Eingangsstufe ist man besonders stolz, denn hier werkelt eine Telefunken 6463 – „New Old Stock“ aus dem formidablen Audio-Note-Röhrenlager. Mit der Ruhe ist es beim FIDELITY-Team vorbei, als wir in Begleitung zur Inspektion genau dieses Lagers unters Dach steigen dürfen, dahin, wo die echten Schätze zu finden sind: Hinter einer stabilen Gittertür lagert eine nachgerade gigantische Röhrenkollektion, dem Vernehmen nach weit über 100 000 Stück, die Peter Qvortrup mit sichtlichem Stolz präsentiert.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Was hier fein säuberlich sortiert in großen Stapeln originalverpackt zu finden ist, sichert nicht nur die Ersatzteilversorgung der Audio-Note-Geräte auf viele Jahrzehnte, es ist auch eine ideale Basis, um neue Ideen zu erproben oder ganz alte Designs auf ihr Zukunftspotenzial abzuklopfen. Natürlich gibt es hier 300B- und KT88-Röhren unterschiedlichster Provenienz – auch viele nie aus den ursprünglichen, inzwischen in Ehren vergilbten Schachteln ausgepackte Originale aus der Zeit, da Röhren noch der Gipfelpunkt der Verstärkertechnik waren. Darunter etliche Typen, die einst für den militärischen Einsatz entwickelt wurden. Daneben findet sich aber auch manches, was nur Insider kennen. Und das bei Audio Note UK auf seinen möglichen Einsatz wartet. Von der klitzekleinen 6111WA, die in der Ausgangsstufe des kleinsten CD-Players des Hauses, des CD Zero, für Wohlklang sorgt, bis zur Osram DA 60 aus britischer Produktion, die eher selten den Besitzer wechselt. Weil der Löwenanteil des bekannten Weltbestandes wohl in Partridge Green auf dem Dachboden liegt … Die Osram-Röhre agiert in etwa auf dem Leistungsniveau der ungleich bekannteren 300B.

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Im Lagerraum nebenan bekommen die Freunde hochwertiger Kondensatoren Herzrasen. Wondercaps, Black Gates und vieles mehr, was nicht nur in der DIY-Szene der Elektronik-Freaks einen guten Namen hat, in Schlaraffenland-Quantitäten, dazu einiges, was die Selbstbauer nicht für Geld noch gute Worte bekommen würden, weil es aus der großen Sammlung exklusiver Audio-Note-Eigenentwicklungen stammt: Man bestellt in Partridge Green nicht beim Zulieferer, man greift bei Bedarf einfach ins Regal. Manchmal allerdings nur, um eine Vorlage für einen deutlich verbesserten Röhren-Nachbau zu haben. Peter Qvortrup verfügt unter anderem über eine Sammlung von etwa 40 Trioden aus den 1920er Jahren. Längst gibt es in der Firma ein Messgerät zur metallurgischen Analyse. Damit wurde auch die „Meshanode“ der Osram-Röhre getestet. In der Audio-Note-Neufassung wird sie mit Molybdän bedampft. „Das sollte viel besser als das Original klingen“, zeigt sich Peter Qvortrup überzeugt.

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Ist der Prototyp fertig, wird gehört. Immer wieder. Bis das Endergebnis tatsächlich den Ansprüchen entspricht. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei Dämpfungsmaßnahmen. „Wenige Faktoren verschlechtern den Klang so massiv wie unerwünschte Vibrationen“, betont Entwicklungschef Andy Grove, was der für das Europageschäft zuständige Entwickler Andy Whittle, der eigentlich aus dem Lautsprecherbau kommt, mit eigenen Erfahrungen unterstreicht. Was unkontrolliert vibriert, kann nicht gut klingen. Und das gilt in den Augen der Audio-Note-Crew für alle, aber auch wirklich alle Bauteile. Was dies in der Realität bedeutet, wird dem FIDELITY-Team spätestens in der Trafo-Endfertigung klar: Ist so ein Strom-Umsetzer fertig – die Dicke der Lamellen liegt dank innovativer Herstellungstechnik bei 0,2 Millimeter –, wird er in ein spezielles Wachsbad getaucht, um den Drahtwicklungen jegliches Eigenleben auszutreiben. „Verschiedene Wachsarten klingen auch unterschiedlich“, verrät Andy Grove mit einem feinen Lächeln. Dass der Abtropftisch unter den Trafos wie eine (leicht verunglückte, weil zu lang gebackene) Pizza aussieht und wie ein russisches Chemielabor riecht, zeugt von der intensiven Versuchstätigkeit.

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Als gegeben vorausgesetzt wird bei Audio Note UK nichts, auch das Bestehende hinterfragen die Spezialisten um Peter Qvortrup immer wieder – mit Erfolg. Dennoch wird in Partridge Green mit einer Seelenruhe gearbeitet, die ihresgleichen sucht; und selbstverständlich gehören dazu auch regelmäßige Teepausen hinter den Gebäuden.

Die Tonabnehmerfertigung ist ein Kapitel für sich: MC-Spulen in vergleichsweise wenigen Lagen werden in einem stets geschlossenen Raum unter dem Mikroskop von Hand gewickelt und gelötet, der „Output“ bei Preziosen wie dem Io Gold ist bei der reinen Handarbeit, die hier betrieben wird, als eher homöopathisch zu bezeichnen. Klar, dass das Thema „Fremdfertigung für andere“ sich unter diesen Prämissen mehr oder weniger von selbst erledigt.

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Allergisch reagieren Qvortrup und Co. auf Anlagen, die nicht „markenrein“ sind: „Die Chance ist größer, einen Sechser im Lotto zu haben, als eine Kette aus den Komponenten verschiedener Hersteller zu kombinieren, die vernünftig klingt“, sagt Peter Qvortrup trocken und mit der Sicherheit eines Vollsortimenters, der um die Qualität seiner Produkte weiß.

Wer den grundlegenden Gedanken umsetzt, kann jedes einzelne Kettenglied von der Quelle – bei Audio Note UK CD-Player oder Plattenspieler – bis zu den Schallwandlern von Audio Note beziehen und muss noch nicht einmal bei den Kabeln „fremdgehen“.

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Wie das klingt, erfährt das FIDELITY-Team im Wohnzimmer des Qvortrup’schen Privathauses, wo in deckenhohen Regalen ungezählte LPs schlummern und diverse CDs sich stapeln, vom Kunstlied mit Peter Pears bis zur kruden Underground-Dubstep-Combo. Hier steht eine immer wieder neu konfigurierte Cost-no-Object-Kette, deren Klang sich – ganz egal ob aus digitaler oder analoger Quelle – durch hohe Präsenz, kräftige Klangfarben und ein solides Bassfundament auszeichnet. Und obwohl sich die Fläche der für die Basswiedergabe zuständigen Lautsprecherchassis in Grenzen hält, kommen selbst schräge Dub-Nummern mit gnadenlosen Computerbässen, die Firmenboss Qvortrup fast ebenso liebt wie klassische Musik, ungemein druckvoll und supersauber über die Rampe.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Dass hier in Geräten wie besagtem Vollverstärker Ongaku, verbunden mit dem großen Toplader-CD-Player CD-4.1x oder dem „mittleren“ AN-Plattenspieler AN-TT Two, fast durchgängig Röhrentechnologie zum Einsatz kommt, muss dem Audio-Note-Neuling eigens dazugesagt werden, denn Röhrenklang-Klischees entspricht hier praktisch nichts. Aus dem verblüffend durchschlagskräftigen Zweiwege-Lautsprecher AN-E werden Perkussionsimpulse mit immensem Punch, Stimmen mit überwältigender Natürlichkeit und große Orchester mit einer Breiten- und Tiefenstaffelung, die kaum zu toppen ist, in das Wohnzimmer des Whiskyliebhabers Qvortrup projiziert. Zur Demonstration dient etwa eine Aufnahme der Sechsten Sinfonie Gustav Mahlers, vom griechisch-russischen Dirigenten Teodor Currentzis mit dem Orchester MusicAeterna für Sony Classical eingespielt, aus Peter Qvortrups Sicht eine Produktion, bei der eine äußerst intelligente Interpretation mit überlegenem Klang einhergeht.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018 Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

„Man muss sich im Klaren sein, dass alles einen Einfluss auf den Klang hat“, betonen Grove und Qvortrup beinahe unisono am Rande der entspannten Hörsitzung. Andy Grove erinnert außerdem daran, dass der Spaß an der Musik im Vordergrund stehen sollte, nicht die Auseinandersetzung mit nur bedingt aussagekräftigen Messergebnissen. Deshalb werden eben auch die „Trafowachse“, wie alles andere bei Audio Note UK, nach Gehör eingestuft. Selbst bei kleinen Details gönnen sich Qvortrup und Co. keine Nachlässigkeiten und keine „zweite Wahl“. Weil etwa die besten Textil-Ummantelungen für Geräteverbindungskabel in Deutschland zu haben sind, werden in regelmäßigen Abständen Halbfertigprodukte auf den Kontinent und Fertigprodukte zurück transportiert, gerne ganz persönlich von Audio-Note-Mitarbeitern statt mit einem profanen, möglicherweise nicht ganz sicheren Paketdienst.

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Wer angesichts zunehmender Digitalisierung des alltäglichen Lebens nun meint, Audio Note würde vor allem die Ewiggestrigen bedienen, irrt massiv: Zu den Neuentwicklungen zählt neben anderen spannenden „Devices“ auch eine Computer-Audiokarte, deren Vorserienmuster (bereits mit dem magischen Audio-Note-Logo auf dem Deckel) sich schon durch famosen Zweikanal-Klang und rasante Datenverarbeitung hervortut – und nach ersten Plänen für 199 US-Dollar das Stück den Besitzer wechseln soll. In Partridge Green hat die Zukunft des guten Klanges längst begonnen.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

 


Vom Gitarristen zum High-End-Entwickler: Die erstaunliche Karriere des Andy Grove

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018So ein bisschen sieht Andy Grove wie ein gut gereifter Rockmusiker aus: Vollbart, Brille und ein entschlossener Blick, aus dem kein kleines Maß an Durchsetzungsvermögen spricht. Dass Grove bei Audio Note UK den Titel „Chefentwickler“ trägt, ist kein Zufall, denn er ist seit seiner Jugend musikbegeistert. Und hatte auch nie Berührungsängste mit der Technik.

Zur Musik kam Andy Grove „mit 13 oder 14“, wie er sich erinnert. Der junge Gitarrist arbeitete zunächst mit den preiswerten Blackstar-Verstärkern, die man auch hierzulande für niedrige dreistellige Euro-Beträge bekommt, und kam irgendwann darauf, dass „Röhrenverstärker doch deutlich besser klingen“. Andy Groves Vater, im „richtigen Leben“ Ingenieur, pflegte die Restaurierung alter Möbel als Hobby. Bei einem Antiquitätenhändler entdeckte Andy Grove, im Schlepptau des Vaters unterwegs, auf einem Regal ein paar verstaubte Handbücher über Radiokonstruktion und bat seinen Vater, die angejahrte Fachliteratur für ihn gleich mitzukaufen. „Das war die Initialzündung“, sagt Grove. Das Thema interessierte ihn, er begann mit der Lektüre von Elektronikmagazinen und studierte nach der Schule folgerichtig Physik. „Die Musik nahm aber weiter einen wichtigen Platz in meinem Leben ein“, betont Andy Grove in der Rückschau.

Seine Großmutter sponserte ihm die Gründung einer eigenen Firma. In der Zeitung entdeckte Andy Grove eine Verkaufsanzeige für eine alte Trafo-Wickelmaschine. „Der Verkäufer hatte auch ein richtig großes Röhrenlager“, erzählt Grove. Kein Wunder, denn der Herr war früher Entwicklungsingenieur beim englischen EMI-Konzern gewesen. „Das war zu einer Zeit, als niemand mehr Röhren wollte“, so Grove.

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Unvermeidlich, dass sich die Wege von Grove und Peter Qvortrup irgendwann kreuzen würden. Zumal Andy Groves Bruder sich einen Ongaku-Vollverstärker bei Audio-Note-Vertragshändler John Patrick Baker kaufte, der die Röhren-Affinität Andy Groves mitbekam und ihm gleich empfahl, doch einmal telefonisch Kontakt zu Qvortrup aufzunehmen. „Das war 1991“, weiß Grove noch. Anfangs arbeitete er nicht mit Audio Note zusammen, „wir tauschten uns nur auf fachlicher Ebene aus“. Während des Studiums verdiente sich Andy Grove sein Geld mit der Reparatur und Optimierung von Gitarrenverstärkern: „Die mussten immer lauter werden“, umreißt er sein Aufgabengebiet.

Heute ist er, wie er sagt, froh darüber, „den ganzen beruflichen Kreislauf“ durchgemacht zu haben, denn er habe in jenen Jahren „ganz viel gelernt“. Andy Groves wichtigste Erkenntnis: „Alles, aber auch wirklich alles hat einen Einfluss auf den Klang.“ Und weil Messergebnisse darüber nicht immer die entscheidende Auskunft geben, setzt Andy Grove als Entwicklungschef auf ausgedehnte Hörvergleiche – auch mit Gitarrenrock im Player oder auf dem Plattenteller. Der Kreis schließt sich.

Hans von Draminski


 

www.audionote.co.uk

www.fair-audio-trade.de

 

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High End 2020 abgesagt

Keine High End 2020

Messeveranstalter High End Society stuft das Risiko für High End 2020 wegen des Coronavirus als zu hoch ein

Wir saßen gerade im lockeren Gespräch bei einem Firmenbesuch und hatten eben im Moment noch darüber gescherzt, ob die High End dieses Jahr stattfindet oder nicht, als uns die Meldung des Tages erreichte. Gescherzt deshalb, weil es uns bis heute Mittag als ganz und gar unmöglich erschien, dass das laufende Kalenderjahr ohne die High End 2020 ausklingen könnte.

Und doch: Es ist beschlossen.

Am frühen Nachmittag, es dürfte gegen 13:30 Uhr gewesen sein, gab der Wuppertaler Branchenverband High End Society seine Entscheidung bekannt, die weltgrößte B2B-Messe der HiFi-Branche auszusetzen. In knapp zwei Monaten hätte die High End 2020 vom 14. Bis 17. Mai im Münchener M.O.C. stattgefunden. Der Grund liegt freilich im Corona-Virus, dessen Ausbreitung immer weitere Kreise zieht und allmählich etwas Panik heraufbeschwört. Im Lauf des Vormittags hatte etwa die Schweiz verkündet, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern „bis auf Weiteres“ zu untersagen. Auch das Bundesgesundheits- und Bundesinnenministerium berieten heute über Sperren von Messen und Großveranstaltungen …

Präventive Maßnahme

Die Entscheidung mag so weit im Voraus überstürzt klingen. Hier und dort wird auch der Vorwurf von Aktivismus laut werden. Wir sind jedoch der Meinung, dass man den mutigen Schritt der High End Society nur loben kann. Der Messeveranstalter zieht die Reißleine zu einem Zeitpunkt, an dem es Besuchern und Ausstellern noch möglich ist, Buchungen rückgängig zu machen, Hotelzimmer zu stornieren und Ausgaben für Stand und Messeprodukte zu vermeiden. Schon in wenigen Wochen wäre das nicht mehr möglich gewesen.

Außerdem können wir uns damit trösten, dass wir uns nun doppelt auf die High End 2021 freuen dürfen.

Die Meldung

Im Folgenden ein Auszug aus der Original-Pressemitteilung der High End Society

Nachdem nun neben den in Asien betroffenen Ländern auch die Infektionsfälle in Europa innerhalb weniger Tage rapide angestiegen sind, ist die weitere Ausbreitung des Erregers nicht abzusehen. „Als Ausrichter einer internationalen Messe sehen wir uns daher in der Verantwortung, rechtzeitig zu reagieren,“ erklärt Stefan Dreischärf, Geschäftsführer der HIGH END SOCIETY Service GmbH. Damit möchte man einerseits die Gesundheit aller Beteiligten schützen und andererseits einem eventuellen wirtschaftlichen Schaden der Aussteller entgegenwirken. „Natürlich bedauern wir sehr, diesen Schritt gehen zu müssen,“ sagt Dreischärf. „Aber wir nehmen die Fürsorge gegenüber unseren Ausstellern, Besuchern und Mitarbeitern sehr ernst.“

Seit Bekanntwerden der rasanten Verbreitung in China Mitte Januar setzt sich der Ausrichter der weltweit größten HiFi-Messe mit den möglichen Folgen für die im Mai geplante Ausstellung auseinander. Täglich wurde die Situation neu bewertet, indem man sowohl die globale Ausbreitung des Coronavirus als auch das internationale Messegeschehen beobachtet hat. Den chinesischen Ausstellern hatte die HIGH END SOCIETY Service GmbH bereits Anfang Februar Möglichkeiten angeboten, von ihrer Teilnahme an der diesjährigen Messe zurückzutreten. Zunehmend erreichten den Veranstalter in den vergangenen Wochen auch Anfragen anderer Unternehmen, ob die angespannte Lage Einfluss auf die HIGH END 2020 haben wird. Zur HIGH END 2020, die als international renommierte Audio-Messe seit vier Jahrzehnten unangefochten den guten Ton für erstklassige Musikwiedergabe angibt, hatten sich rund 500 Aussteller aus 40 Länder angemeldet. Sie werden aktuell über die Absage informiert. Fachbesucher und Endverbraucher, die schon ein Ticket für die HIGH END 2020 erworben haben, erhalten selbstverständlich eine Rückerstattung.

www.highendsociety.de

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Ultimative Test-Disc: UHD HDR Benchmark von Spears & Munsil

Auf diese Test-Disc haben Profis wie Laien viele Jahre lang gewartet: Zum Justieren von HDR-Displays braucht man nämlich ein intelligentes Tuning- Werkzeug, das die Fähigkeiten des eigenen Displays berücksichtigt und zielführendes HDR-Tuning ermöglicht. Mit anderen Worten: Die Scheibe „UHD HDR Benchmark“ von Spears&Munsil passt alle Testbilder und HDR-Demosequenzen an die Leuchtkraft des eigenen HDR-Displays an. ...

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